Erfahrungsbericht der Konferenz „mission:is:possible“ vom 19.-20.Juni 2026

Eindrücke einer Konferenz für „die Kirche von morgen“

Der Trägerkreis der Konferenz (c) ms
Der Trägerkreis der Konferenz
Datum:
Mo. 22. Juni 2026
Von:
Michael Schofer

Der Leiter des Gebetshauses Augsburg Dr. Johannes Hartl und ein „Trägerkreis“ organisierten vom 19.-20.Juni 2026 zum ersten Mal einen Kongress, der sich an Menschen richtet, die nach neuen Wegen suchen, wie Kirche heute Menschen erreichen und zum Glauben einladen kann - unabhängig von Konfession und Alter. Tagungsort war „Kongress am Park“ in Augsburg, laut Veranstalter kamen etwa 1000 Menschen zu dem Event.

Der erwähnte „Trägerkreis“ besteht aus Persönlichkeiten aus dem freikirchlicher, evangelischer, katholischer und orthodoxer Konfession, die auch als Referenten in Erscheinung traten. Neben einigen Vertreter:innen aus dem Bereich der Evangelisation, der Lehre und der Glaubensweitergabe verschiedener christlicher Gruppen und Bewegungen finden sich darin auch katholische Bischöfe wie der Passauer Diözesanbischof Dr. Stefan Oster und der Augsburger Diözesanbischof Dr. Bertram Meier.

Es ging bei der Konferenz um das Thema der „Mission“, um zwei Tage intensive Stärkung, um neue Ideen der Glaubensweitergabe, um praxiserprobte Konzepte und neue Gemeindeformen. Unterstützend zu den Vorträgen und Erfahrungsberichten gab es eine ganze Reihe von Workshops und ein Messearal, in dem sich verschiedene Organisationen und Initiativen vorstellten.

Mir kam das von Anfang an vor wie eine kleine „Mehr-Konferenz“, eines der größten Glaubensfestivals im deutschsprachigen Raum, das vom Gebetshaus Augsburg veranstaltet alle zwei Jahre im Messezentrum Augsburg mit etwa 11000 Teilnehmern stattfindet.

Die Wortbeiträge waren sehr eng getaktet und alle Impulse angemessen in sich aufzunehmen, verlangte einem viel ab. Dennoch gab es in den Pausen viel Gelegenheiten zum Austausch und zum Gespräch mit anderen. „Freunde unter sich“ - man kennt sich, umarmt sich zur Begrüßung herzlich, findet sich sofort auf dem gleichen Level wieder. Es wird nicht gespart an gegenseitigem Lob und auch der Augsburger Bischof als „Hausherr“ fühlt sich vor diesem Publikum sichtlich wohl.

Meine Eindrücke sind gemischt: ich finde die Erfahrungsberichte teilweise sehr spannend und inspirierend, z.B. die Schilderung des Leiters der Akademie für Dialog und Evangelisation aus Wien Otto Neubauer über die Initiative „Österreich der runden und eckigen Tische“, bei der Menschen mit unterschiedlichen Denkweisen, Lebensstilen und Hintergründen zum Essen und gemeinsamen Austausch an einen Tisch gebracht wurden. Oder der Bericht von Dr. Thomas Schlegel (midi - Zukunftswerkstatt von Kirche und Diakonie) aus Erfurt über den Prozess „erprobungsräume“ in der evangelischen Kirche Mitteldeutschland. Interessant war auch der  Bericht von „Weihnachten neu erleben“, einer Weihnachtsshow in Karlsruhe mit 2000 ehrenamtlichen Mitwirkenden und 80000 Besuchern.

Die Vorträge und Podiumsdiskussionen passten natürlich ebenso ins Gesamtkonzept. Neben theologischen Grundsatzvorträgen (z.B. von Prof. Dr. Mihamm Kim-Rauchholz von der internationalen Hochschule Liebenzell zum Thema „Theologische Grundlagen der Mission) gab es auch geistliche Vorträge (z.B. von Bischof Dr. Stefan Oster, zu den Themen „Kontemplativer Lebensstil“ und „Über Jesus sprechen“). Dr. Johannes Hartl selbst eröffnete den Kongress mit einem Vortrag zum Thema „Warum wir einen missionarischen Aufbruch brauchen“, mit einem sehr anschaulichen Bild eines Restaurants, das zwar perfekte Lösungen für Rechnungswesen, Brandschutz und Tischdeko hat, aber vergessen hat, das der Grundauftrag des Restaurants es eigentlich ist, Menschen satt zu machen.

Podiumsdiskussionen gab es zu den Themen „Missionarische Erneuerung der Großkirche“ oder im Rahmen eines Workshops zur Unterscheidung von Mission und Indoktrination.

Die Podiumsdiskussionen ließen mich eher ratlos zurück: sie kamen nach meinem Eindruck nicht zum Punkt, weil die Auswahl der Referenten zu breitgefächert war und letztlich jeder nur aus seinem jeweiligen Spezialgebiet berichtete. Die Kernaussage der Podiumsdiskussion über die Gefahr der Indoktrination war, dass christliche Mission nur dann glaubwürdig sei, wenn sie freimacht, Liebe konkret lebt und Wahrheit nicht als Machtinstrument verwendet. Auf wichtige Fragen wie „geistlicher Machtmissbrauch“ und den „Wahrheitsbegriff“ konnte aufgrund der Kürze der Zeit nicht erschöpfend eingegangen werden. Die Feststellung von Dr. Johannes Hartl am Ende, dass der Begriff Indoktrination kontextsensibel sei und nicht einseitig gegen Christen verwendet werden dürfe, sollte natürlich auch eine theologische Begründung für die eigene Missionstätigkeit liefern.

In besonderer in Erinnerung bleiben mir der Erfahrungsbericht von Chris Schuller (Evangelist und Gründer des Dienstes „Follow His Call Ministries“) und sein Präsentationsvideo zu der Aktion „Gebet für Deutschland“ am 22.Februar 2025. Bei allem Engagement für die christliche Sache drängt sich bei mir hier doch das Gefühl auf, dass Religion instrumentalisiert wird und dass der Weg zum christlichen Nationalismus von solchen Aktionen aus nicht weit ist. Ein „heiliger Moment - ein Vorgeschmack darauf, was geschieht, wenn eine Nation ihr Herz wieder Gott zuwendet.“, laut Mitteilung auf der Webseite von „Follow His Call Ministries“. Interessant aber auch Sicht des Veranstalters nachvollziehbar fand ich den unkritischen Umgang mit ICF („International Christian Fellowship“), bei der Konferenz vertreten durch Frauke Teichen, Ehefrau des Leiters Tobias Teichen und „Lead Pastor“ von ICF München. Sehr sympathisch berichtete sie von ihrer eigenen Erfahrung von Mission, von Gebet und Heilung an einer Supermarktkasse, von ungerechtfertigter Verfolgung und menschlichen Enttäuschungen. Aus verschiedenen öffentlichen Beiträgen wie beispielsweise dem Podcast „Toxic Church“, der unter anderem im ICF autoritäre Leitungsstrukturen, Ausbeutung ehrenamtlicher Helfer und eine ungesunde Vermischung von Glauben und Geschäft kritisiert, sieht man sich als Opfer.

Für mich persönlich zeigte eine Erfahrung am Ende des Kongresses etwas von der Übergriffigkeit und Problematik einer Veranstaltung, die den Heiligen Geist wirken lassen möchte. 

Bischof Dr. Stefan Oster reflektierte in einem sehr berührenden Vortrag über das rechte Maß des Redens über Jesus und über das Schweigen. Bei dem Thema „Selbstannahme und Anerkennung der eigenen Erbärmlichkeit“ zeigte er sich selbst auch emotional, ein starker Moment. Nach dem Vortrag, der schon mehr ein persönliches Zeugnis war, zeigte sich diese Stimmung auch im Publikum. Ein Plädoyer für das Schweigen. Dann aber kam ein Lobpreis, in dem die Leiterin Veronika Lohmer meinte, jetzt wäre es Zeit, sich in die Arme des Vaters zu begeben.  Die zumindest in meinem Gefühl stattfindende Inszenierung wurde  fortgeführt durch Dr.Johannes Hartl, der „spontan“ meinte, es sei jetzt Zeit für ein Gebet der Stärkung zur Mission, an dessen Ende die gegenseitige persönliche Segnung von Menschen stand, die sich möglicherweise zu schwach oder zu unwürdig fühlen, in dieser Aufgabe zu wachsen. Der Impuls von Bischof Oster war damit verflogen, die Rückkehr zur Agenda „Es geht um die Mission“ war klar. Freilich ist es mein subjektiver Eindruck, aber gerade hier kam in mir die Frage auf, warum man nicht einfach dem Heiligen Geist im Schweigen Raum geben kann, der ja bekanntlich weht, wo er will.

Mein Fazit dieser Veranstaltung: ich nehme ohne Frage viele positive Impulse mit. Die Frage der Glaubensweitergabe und der Vielfalt der Methoden ist wichtig. Es braucht ohne Frage neue Aufbrüche, vielleicht auch auf bisher unbekannten Wegen. Jesus Christus und sein Evangelium wieder mehr in die Mitte der Verkündigung zu stellen und den Menschen auch wieder mehr „geistliche Nahrung“ anzubieten, um beim Bild des Restaurants zu bleiben, das sich auf die Deko und das Gebäudeschutzkonzept konzentriert, ist essentiell. Es schwingt aber bei solchen Veranstaltungen immer auch Inszenierung und Manipulation mit, was vielleicht die Entdeckungsreise, den Glauben und die Glaubensweitergabe als großen Freiraum zu entdecken, erschwert.